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Freiburg verbietet Cocktails bei Festen auf öffentlichem Terrain
Trocken gelegt – dank versc .

Es gehe um eine klare Linie bei der Alkoholprävention, rechtfertigt Bürgermeister Ulrich von Kirchbach. Veranstalter und Gastronomen fassen sich an den Kopf und sprechen von Gängelung. Kurios: Selbst beim städtischen Anti-Alkohol-Modellprojekt "Praerie" hält man das Cocktail-Verbot für übertrieben.

Das Freiburger Verbotswesen schlägt den nächsten Salto: Jetzt werden Festbesuchern die Cocktails weggenommen. Spirituosen dürfen bei Festen auf öffentlichem Terrain nicht mehr ausgeschenkt werden– auch nicht mehr verdünnt als Mixgetränk.

Verbot wurde ausgedehnt

Diese "Lex Caipi" ist neu. Bislang gab’s bei Festen und an Fasnacht nur ein Verbot für Schnaps pur. Nach einer Fachtagung im Frühjahr zum Thema Alkohol sei als "Projekt Festkultur" beschlossen worden, das Verbot auszudehnen, sagt Bürgermeister von Kirchbach. Er gibt dem zuständigen Amt für öffentliche Ordnung Rückendeckung und verteidigt die klare Linie in der Alkoholpolitik der Stadt: "Es macht wenig Sinn, Spirituosen zu verbieten, aber Cocktails zu erlauben, die ebenfalls Spirituosen enthalten".

Auch der Arbeitskreis Sicherheit auf öffentlichen Plätzen und der Koordinationskreis "Kommunale Kriminalprävention" hätten das Verbot abgesegnet – jeweils auch mit Zustimmung von Gemeinderäten. Die Bürgervereine hätten die Vorgaben akzeptiert. Probleme gebe es nur mit kommerziellen Veranstaltern, so der Bürgermeister.

Kritik an Kommunikation

Das kann man so sagen. Die Organisatoren der Invasion-Kulturtage auf der Haslacher Straße wurden von der neuen Vorschrift überrascht. Erst unmittelbar vor der Veranstaltung erfuhren die Veranstalter von der Stadt, dass im Freien keine Cocktails ausgeschenkt werden dürfen, berichtet Wolfgang Schuler vom Verein Kultur-Invasion.

Etliche Standbetreiber sind betroffen. Auch der Verein selbst, der im Innenhof der Jazz- und Rockschule wirtet, muss umdisponieren. Weil die "Hörbar" in der Schule eine Gastro-Konzession hat, wird die Theke kurzerhand von draußen nach drinnen verlegt: "Ein bisschen seltsam ist das schon, wenn man bei einem Sommerfest die Cocktails drinnen holen muss", sagt Schuler.

Ärger bei Veranstaltern

Auch beim Zeltmusikfestival gibt es zwei Cocktailbars – was aber offenbar auf einem Missverständnis beruht. Denn laut Vorgaben vom dürfen auch beim ZMF nur noch Bier, Wein und Sekt an alkoholischen Getränken ausgeschenkt werden. Vom Cocktail-Verbot wusste Festivalchef Marc Oßwald bis Freitag nichts. Er hält dies auch für hanebüchen – weil man damit die Zielgruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen nicht erreiche. "Die kaufen sich doch ihren Sprit im Supermarkt", sagt er. Niemand betrinke sich auf dem ZMF mit Cocktails. "99 Prozent der Leute, die aufs Festival kommen, können mit Alkohol umgehen, die muss man nicht erziehen", sagt Oßwald.

Fürs bevorstehende Schlossbergfest hat Mitveranstalter Toni Schlegel ebenfalls Cocktailstände vorgesehen. Dieser Plan wird aber wohl an der Freiburger "Lex Caipi" scheitern. Schlegel ärgert sich: "Das ist absurd, die Stadt schießt übers Ziel hinaus". Das Schlossbergfest habe mit maßlosem Alkoholkonsum von Jugendlichen nichts zu tun.

Rathausintern nicht unumstritten

Der Gastronom kritisiert auch, dass die Stadt solche Vorgaben schlecht kommuniziere – eine offizielle Mitteilung gebe es nicht. Sollten am Schlossberg Cocktails verboten werden, erwägt Schlegel eine Klage gegen die Stadt: "Erwachsenen den Caipirinha zu verbieten, das ist nahe an der Prohibition", findet er.

Auch rathausintern ist das Thema nicht unumstritten. Nicht einmal alle am Modellprojekt "Praerie" Beteiligten halten das strikte Cocktailverbot für notwendig. Man hätte sich ein gemeinsames Gespräch gewünscht, bevor die Regelung umgesetzt wird, heißt es bei "Praerie". Und: Das von anderen Landkreisen übernommene "Projekt Festkultur" setze auf einen freiwilligen Verzicht der Veranstalter und nicht auf Zwang. Und es sei eigentlich für Feste mit vorwiegend jungem Publikum gedacht. Bürgermeister von Kirchbach beruhigt: "Wir schauen uns die Sache an und werden das Thema noch einmal diskutieren."

Nachricht vom 24.7.10 11:40

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